Geliebter Schmerz

Der Schmerz ergriff mich wie eine zärtliche Umarmung. Endlich ist er wieder da, kalt und unerbittlich klammert er sich an mich. Ich war nicht mehr alleine, er war wieder da. Ich wusste, dass er mich nicht im Stich ließ. Er war bisher das einzige, was bei mir blieb.

Die Liebe ging.
Die Hoffnung ging.
Das Glück ging.
Die Tränen gingen.
Die Verzweiflung ging.
Die Traurigkeit ging.
Die Freude ging.

Alles ging, bis auf der Schmerz. Und darum liebte ich ihn. Er ließ mich empfinden. Etwas empfinden, was ich glaubte verloren zu haben. Und daran klammerte sich mein naiver Körper. Meine Hände waren immer Kalt, das Herz schlug nur noch aus Gewohnheit. Mein Gehirn wollte schon lange nicht mehr am Leben sein, das Herz jedoch gab nicht auf.
Schmerz, so nah, wie er noch nie bei mir war. Ich sah ihn, an meinem Körper. Narben, die mich verschönerten. Liebevoll strich ich über die Narben. Schmerz, überall war er zu sehen und doch bemerkte ihn niemand, zu meinem Glück. Der Schmerz liebte mich, er umgarnte mich mich jeden Tag aufs Neue. Ich ging darauf ein, es war zu verführend. Er überredete mich, meinen Körper zu verschönern. Er überredete mein Gehirn nicht mehr am Leben sein zu wollen. Er vertrieb die Gefühle. Er blieb stets in mir, im Unterbewusstsein. Ich wusste, er verlässt mich nicht. Mich hatte er am liebsten, weil er bei mir immer Willkommen war.

15.8.13 18:18

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